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Autounfall in Polen Ende Oktober 2011

Am 28.10.2011 wurde ich in Polen ohne Schuld in einen Unfall mit einem polnischen LKW verwickelt. Ich gebe hier meine diesbezüglichen Erfahrungen wieder, vielleicht hilft es jemandem in ähnlicher Situation. Auf jeden Fall hilft es mir, ein wenig Frust abzulassen.

Vorab in Kürze zusammengefasst: ein Unfall in Polen kostet Nerven, Zeit und Geld.
Die polnische Polizei war ablehnend gegenüber mir als Deutschem eingestellt;
sie hat mir die Zulassung abgenommen;
die polnische Haftpflichtversicherung hat erst nach 5 Monaten einen Teil des Schadens beglichen.

Das Geschehen im Einzelnen:

Unfallfoto An der Autobahnauffahrt bei Slubice stand ich mit meinem PKW in einem Auffahrtstau. Links neben mir stand ein polnischer LKW der mich offenbar nicht gesehen hat. Er fuhr unvermittelt an und zog nach rechts in Richtung einer Tankstelleneinfahrt, dabei wurde die Vorderfront meines PKW aufgerissen. Auf meine Bitte hin (ich spreche nicht polnisch) rief der LKW-Fahrer die Polizei, diese erschien ca. 30 Minuten später.




Zulassung weg
Mit den Polizisten konnte ich mich einigermaßen in deutsch und englisch verständigen.
Dabei habe ich einen Fehler begangen, indem ich ein "Protokoll" unterschrieben habe das ich nicht verstand, da es nur in polnisch abgefaßt war. Man sollte nie etwas unterschreiben, das man nicht versteht!
Es handelte sich dabei um eine Art Quittung für meine Zulassungsbescheinigung:
Quittung f. entzogene Zulassung
Die Polizei hat meine Zulassung einbehalten; wie ich später erfuhr ist das in Polen so üblich wenn ein Unfallfahrzeug nicht mehr verkehrstüchtig ist. Wahrscheinlich hätten sie die Zulassung auch ohne meine Unterschrift einkassiert, in jedem Fall hat mir das zusätzlichen Ärger eingebracht.

In der Werkstatt und bei der Autovermietung in Frankfurt/Oder war man verwundert darüber, dass die polnische Polizei meine Zulassung einbehalten hat. Scheinbar eine auch im Grenzraum wenig bekannte Praxis, die mir aber bei einer telefonischen Nachfrage beim deutschen Konsulat als übliche Vorgehensweise bestätigt wurde. Die Zulassung bleibt 7 Tage bei der zuständigen polnischen Polizeistation und wird dann an das deutsche Konsulat gesendet.

Im polnischen Polizeirevier
Um meine Fahrzeugzulassung zurück zu bekommen, bin ich am nächsten Werktag mit der Auftragsbestätigung der Werkstatt zur polnischen Polizei in Slubice gefahren. Ich war der Meinung, dass die Abgabe des Wagens in einer deutschen Werkstatt die polnischen Behörden ausreichend beruhigt; so daß sie keine Angst mehr davor haben, daß ich mit einem verkehrsuntüchtigen Wrack die Strassen in Polen unsicher mache.
Zuvor habe ich mir aus dem Internet ein paar polnische Wörter (Unfall, Werkstatt, Zulassung...) aufgeschrieben, falls die dortigen Beamten weder deutsch noch englisch verstehen. Und tatsächlich konnte der Beamte im Polizeirevier angeblich nichts verstehen. Auch mein Spickzettel mit den polnischen Ausdrücken hätte mir nicht geholfen, da ich die Antworten des Beamten nicht verstanden habe. Ein freundlicher Herr aus dem Wartebereich, der meine vergeblichen Bemühungen bemerkte, kam mir zu Hilfe. Er konnte deutsch und hat für mich übersetzt. Meine Zulassung bekam ich nicht. Trotz der Übersetzungshilfe habe ich nicht genau verstanden warum (und weiß es bis heute nicht). Verstanden habe ich: die polnische Polizei will einen Nachweis darüber, daß das Fahrzeug wieder verkehrstüchtig ist. In welchem Land der Erde es sich befindet ist ihnen egal, und daß die Zulassung eigentlich mein Eigentum ist, erst recht.
Am nächsten Tag war ich wieder in der Werkstatt und habe das Problem geschildert. Obwohl die Reparatur noch nicht beendet war hat mir der Mitarbeiter der deutschen Werkstatt eine Rechnung ausgestellt, als wäre der Wagen repariert, verkehrstüchtig und abholbereit. Ich hoffte damit dann meine Zulassung zu bekommen.
Also bin ich mit dieser Rechnung wieder zum polnischen Polizeirevier gefahren. Dieses mal war ein anderer Beamter am Schalter, er verstand ungefähr was ich wollte, ging aber nach hinten um sich Rat zu holen. Er kam zurück mit dem Beamten vom Vortag, der wohl meinetwegen über Nacht einen Schnellkurs in deutscher Sprache absolviert hat. Er sprach plötzlich sehr gut deutsch und erklärte mir, daß diese Rechnung nicht ausreicht. Um meine Zulassung zurück zu bekommen brauchte ich eine Art TÜV-Bescheinigung über die Verkehrstüchtigkeit. An dieser Stelle habe ich dann aufgegeben.

Ich bekomme wieder eine Fahrzeugzulassung
Danach habe ich im deutschen Konsulat angerufen, und dort wurde mir geraten in meine zuständige Zulassungsstelle in Deutschland zu gehen und mir eine neue ausstellen zu lassen. Sie würden dann, wenn sie meine alte Zulassung von unseren polnischen Freunden bekommen, diese vernichten.
Nach der üblichen Wartezeit von ca. 2 Stunden in der Zulassungsstelle in Königs Wusterhausen bekam ich dort tatsächlich innerhalb von 10 Minuten eine neue Zulassung ausgestellt (selbstverständlich nicht umsonst, ca. 13 Euro durfte ich dafür zahlen).

Keine Zloty
Ich habe eine polnische Abschleppfirma beauftragt mein Auto in eine Werkstatt im nahegelegenen Frankfurt/Oder zu bringen. Da die Entfernung zur Grenze nicht groß war hätte ich vielleicht besser eine deutsche Firma gerufen, ich weiss aber nicht ob die Abschleppkosten dann höher wären. Die Abschleppkosten betrugen 240 polnische Zloty, von der Firma großzügig in 60 EURO umgerechnet. Nach dem offiziellen Kurs an diesem Tag wären es ca. 55 EURO gewesen.

Vorsicht bei Mietwagen
In der Annahme, daß mir die Kosten dafür von der Versicherung ersetzt werden, habe ich mir in Frankfurt/Oder einen Mietwagen für die Heimreise und nötige Fahrten bis zur Fertigstellung der Reparatur besorgt.
Was ich nicht wußte: nach polnischem Recht muss die Haftpflichtversicherung die Kosten für einen Mietwagen nur dann ersetzen, wenn der Geschädigte diesen für seine Geschäftstätigkeit unbedingt braucht (dann auch nur mit 20% Minderung), normalerweise werden diese Kosten nicht ersetzt.

Die polnische Haftpflichtversicherung
Wie und wo meldet man nun seine Ansprüche bei welcher gegnerischen Haftpflichtversicherung an?
Am wichtigsten ist es, am Unfallort das Kennzeichen des Unfallverursachers zu notieren, die Polizei zu verständigen, Fotos zu machen und von Unfallzeugen Kontaktdaten zu bekommen.
Ich hatte die Möglichkeit, später auf dem polnischen Polizeirevier eine Kopie des Unfallprotokolls zu bekommen. Wer diese Möglichkeit nicht hat sollte versuchen am Unfallort von den Polizisten den Namen des Fahrers und seiner Haftpflichtversicherung zu erfahren, ich bekam ohne Nachfragen nichts (ausser der Quittung für meine einkassierte Zulassung).
Mit diesen Informationen habe ich den Unfall beim Zentralruf der Autoversicherer gemeldet, Tel.: 0180 25026.
Von dort bekam ich dann die Daten des polnischen Versicherers und eines von diesem in Deutschland beauftragten Schadenregulierungsbeauftragten (das Wort schlägt meinen bisherigen Silbenfavoriten Kartoffelvollerntemaschine).
Dieser Schadenregulierungsbeauftragte ist (jedenfalls bei mir) eine deutsche Versicherung, die nach irgendeiner EU-Richtlinie die Korrespondenz und die Abwicklung mit der polnischen Versicherung übernimmt. An den habe ich die Belege zur Schadenhöhe, Unfallfotos, ein Unfallprotokoll mit Skizze und meine Bankverbindung gesendet.

Dann passierte eine lange Zeit nichts.

Die Regulierung
Nach 3 Monaten, im Februar 2012, habe ich bei meinem Schadenregulierungsbeauftragten nachgefragt, was los ist. Antwort: es liegt noch keine Regulierungsentscheidung vom polnischen Versicherer vor, man bemüht sich weiterhin um Klärung.
Ende März, also fast genau 5 Monate nach dem Unfall, erhielt ich dann eine Entschädigung. Allerdings nicht in Höhe meiner Kosten, sondern 900 Euro zu wenig. Von den Reparaturkosten und der Abschlepprechnung wurden 19% Umsatzsteuer abgezogen und die Mietwagenkosten ganz weggelassen.
Ich habe gegen diese Regulierung schriftlich Widerspruch eingelegt, eine Frist von 3 Wochen zur korrekten Regulierung gesetzt und andernfalls mit Klage gedroht.
Die Antwort vom Schadenregulierungsbeauftragten: nach polnischem Recht ist es normal, dass bei geschäftlicher Nutzung des Fahrzeugs die Umsatzsteuer abgezogen wird.
Ich habe mir also mit der Angabe der geschäftlichen Nutzung (um die Mietwagenkosten teilweise ersetzt zu bekommen) ein Eigentor geschossen. Meine Umsatzsteuererklärung für 2011 hatte ich längst abgegeben, ob ich das noch nachträglich regeln kann - mal sehen.

Zum Abschluss bekam ich Ende April (6 Monate nach dem Unfall!) von der polnischen Versicherung noch 139 Euro für den Mietwagen überwiesen (meine Kosten: 455 Euro).
Laut polnicher Versicherung kann dieser Betrag "nach polnischem Recht erstattet werden".

Ich wünsche allen allzeit unfallfreie Fahrt in Polen!